Alles beginnt am Himmel
Unser Trinkwasser beginnt seine Reise weit über unseren Köpfen. Durch die Wärme der Sonne verdunstet täglich eine gewaltige Menge Wasser aus Meeren, Seen, Flüssen und Böden. Selbst Pflanzen geben Wasser an die Atmosphäre ab.
Dieser Wasserdampf steigt auf. In höheren Luftschichten kühlt er sich ab. Es entstehen Wolken. Werden die Wassertröpfchen darin groß genug, fallen sie als Regen, Schnee oder Hagel wieder auf die Erde. Dieser Kreislauf läuft seit Millionen von Jahren nahezu ununterbrochen. Er sorgt dafür, dass ständig neues Süßwasser entsteht. Ohne diesen natürlichen Wasserkreislauf gäbe es kein Leben auf unserem Planeten.
Der Weg durch den Boden
Sobald Regen auf den Boden trifft, geschieht Erstaunliches. Ein Teil verdunstet sofort wieder. Ein Teil fließt oberirdisch in Bäche und Flüsse. Der wertvollste Teil jedoch versickert langsam. Dabei durchläuft das Wasser verschiedene Erdschichten: Sand, Kies, Schotter. Teilweise auch Kalk- oder Gesteinsschichten.
Diese wirken wie natürliche Filter. Schwebstoffe werden zurückgehalten. Viele Mikroorganismen bauen organische Stoffe ab. Das Wasser wird auf seinem Weg immer klarer. Je nach Bodenbeschaffenheit kann diese Reise wenige Wochen oder sogar Jahrzehnte dauern. Genau deshalb zählt Grundwasser zu den wichtigsten Trinkwasserquellen Europas.
Grundwasser – unser natürlicher Wasserspeicher
Unter unseren Füßen befinden sich riesige Wasservorräte. Man nennt sie Grundwasser. Es sammelt sich in sogenannten Grundwasserleitern. Das sind durchlässige Gesteinsschichten, die große Mengen Wasser speichern können. Dieses Wasser bewegt sich meist nur sehr langsam. Oft nur wenige Zentimeter bis einige Meter pro Tag. Dadurch bleibt es lange im Untergrund. Je länger Wasser durch natürliche Bodenschichten fließt, desto stärker wird es auf natürliche Weise gereinigt. Aus diesem Grund stammt ein großer Teil unseres Trinkwassers aus Grundwasser. In manchen Regionen wird auch Quellwasser genutzt. Dabei tritt das Wasser durch natürlichen Druck wieder an die Erdoberfläche.
Vom Wasserwerk bis zum Wasserhahn
Bevor Trinkwasser in unsere Häuser gelangt, wird es in Wasserwerken aufbereitet. Je nach Herkunft sind unterschiedliche Aufbereitungsschritte notwendig. Dazu können gehören: Belüftung, Filtration, Entfernung unerwünschter Stoffe, Desinfektion (falls erforderlich). Anschließend gelangt das Wasser in große Hochbehälter. Von dort wird es über ein weit verzweigtes Leitungsnetz bis in unsere Häuser transportiert. Allein in Österreich umfasst dieses Leitungsnetz viele zehntausend Kilometer. Jeden Tag wird dadurch Millionen Menschen sauberes Trinkwasser bereitgestellt. Für viele ist das selbstverständlich. Dabei steckt dahinter eine enorme technische Leistung.
Warum schmeckt Wasser überall anders?
Vielleicht ist Dir schon aufgefallen: Wasser schmeckt nicht überall gleich. Das liegt unter anderem an seinem Weg durch die Natur. Je nach Gestein nimmt Wasser unterschiedliche Mineralstoffe auf. Auch die Härte des Wassers verändert sich dadurch. Außerdem unterscheiden sich: Quellwasser, Grundwasser, Oberflächenwasser.
Deshalb besitzt jede Region ihren ganz eigenen Wassergeschmack. Geschmack allein sagt jedoch nichts über die tatsächliche Qualität aus. Welche Stoffe sich im Wasser befinden, lässt sich nur durch geeignete Untersuchungen feststellen. Jeder Tropfen Trinkwasser hat eine beeindruckende Reise hinter sich. Von der Verdunstung, über die Wolken, durch Regen, durch den Boden, bis hinein in unser Trinkglas. Dieser natürliche Kreislauf sorgt seit Millionen von Jahren dafür, dass Leben überhaupt möglich ist.